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Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

Anja kam mit einem Loch in der Herzscheidewand zur Welt. Bereits nach ein paar Wochen musste sie ein erstes Mal am Kinderspital Zürich operiert werden. Einige Jahre später stellte man fest, dass Anja auch unter Herzrhythmusstörungen litt. Dies bedeutete zahlreiche weitere Besuche und Eingriffe im Kinderspital. Heute geht es der Neunjährigen gut, und sie kann wieder tun, was sie am liebsten macht: tanzen.

Anja ist soeben eingeschlafen – auf der Liege im hochmodernen Herzkatheter-Labor des Kinderspitals Zürich, bereit für eine erneute Untersuchung ihres Herzens. Dreieinhalb Jahre nach der Operation als Neugeborene zeigte sich, dass die Aorta des Mädchens verengt war und eine Herzklappe nicht richtig funktionierte. Anja erhielt damals einen Schrittmacher zur Unterstützung ihres Herzens. Dieser verlangte regelmässige Kontrollen im Spital. Anhand einer dieser Termine stellten die Fachleute am Kinderspital fest, dass Anja noch immer Herzrhythmusstörungen zu haben schien.

Anja ist mehr als ihr Herz
Für Anja war die Situation am schwierigsten: „Ich habe ja eigentlich gar nichts und muss trotzdem ins Spital.“ Damit meint sie, dass sie weder krank sei noch etwas von ihrem angeborenen Herzfehler merke, auch dann nicht, wenn sie Sport treibt, mit den anderen Kindern in ihrem Alter spielt oder tanzt – das Jazztanzen ist Anjas grosse Leidenschaft. Mittels 24-Stunden-EKG hat sich unter anderem beim Tanzen denn auch gezeigt, dass mit ihrem Herz noch immer etwas nicht in Ordnung ist. Aus diesem Grund sind Anja und ihre Mutter nun erneut ans Kispi gekommen. Eine Untersuchung im Herzkatheter soll Gewissheit bringen, wodurch die Störungen verursacht werden. Angesprochen auf die doch recht umfangreiche und allenfalls auch belastende Krankheitsgeschichte ihrer Tochter meint Anjas Mutter mit Nachdruck: „Anja ist so viel mehr als ihr Herz. Das haben wir uns immer vor Augen gehalten, wenn der Alltag der Familie mit einem herzkranken Kind wieder einmal hektisch wurde.“

Eine neue Aortenklappe für Anja
Die Untersuchung im Herzkathether-Labor zieht sich an diesem Tag in die Länge. Nach langen Stunden, in denen Anjas Herz genauestens überprüft worden ist, herrscht Klarheit: Die Herzrhythmusstörungen haben ihre Ursache in einer defekten Aortenklappe. Diese muss ersetzt werden. Zugleich soll ihr ein neuer Schrittmacher eingesetzt werden, der wieder gute zehn oder gar 15 Jahre lang seinen Dienst tut. Dies alles bedeutet jedoch eine weitere Operation am offenen Herzen. Doch Anja und ihre Familie verlässt nach dieser Diagnose nicht etwa der Mut, im Gegenteil. Schon ein paar Tage später erhalten sie einen Termin für die Operation. Erneutes Einrücken ins Spital, erneutes Vorbereiten auf die Narkose und erneutes Aufwachen für Anja, als wäre nichts gewesen – diesmal jedoch bleiben nicht nur ein paar winzige Narben an ihrer Leiste vom Kathetereingriff zurück, sondern ein grosses Pflaster auf einer grossen Wunde über ihrem Brustbein.

Was zählt, ist die Gegenwart
Wir besuchen Anja und ihre Mutter nach der Herzoperation erneut auf der Station für herzkranke Kinder im Kinderspital. Es geht ihr erfreulich gut, und bald wird sie aus dem Spital entlassen. Was die Zukunft für die Neunjährige bereithält, weiss niemand genau. Sicher ist, dass die neu eingesetzte Aortenklappe gut funktioniert. Sie besteht aus menschlichen Zellen und wächst mit Anjas Körper mit. Auch in den nächsten Jahren wird das Mädchen zu regelmässigen Kontrollen aufgeboten werden. Aber was zählt, ist die Gegenwart: Anja möchte so bald als möglich wieder tanzen.