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Als Windpocken «verlüftet» wurden

Seit 1874 befindet sich das Kinderspital im Quartier Hottingen in Zürich. Daher erzählt im Gebäudekomplex des Spitals jede Ecke, jeder Durchgang, jeder Raum eine eigene Geschichte. Dieser Verbindungsgang spielte in der Bekämpfung von Windpocken eine zentrale Rolle.

Bis in die 1960er-Jahre war es am Kinderspital Zürich Vorschrift, dass sich das Betreuungsteam nach Kontakt Windpocken-Patienten «verlüften» musste. Das heisst, Ärzte und Pflegende mussten sich zehn Minuten lang an der frischen Luft aufhalten, bevor sie sich um den nächsten Patienten kümmern durften. «Für diese ‹Verlüftung› nutzten wir gerne den Verbindungskorridor», erinnert sich der ehemalige Kispi-Nephrologe Ernst Leumann.

Isolationszimmer bei Ansteckungsrisiko

Der Korridor war damals eine Galerie und bot Ausblick auf den begrünten Innenhof. In den 1970er-Jahren kam man von der Verlüftungs-Praxis ab und begann stattdessen, von Windpocken betroffene Kinder in Kontaktisolation in Einzelzimmern unterzubringen. Das ist auch heute noch so: Das Betreuungsteam zieht sich bei Betreten des Zimmers eine Schürze über, die anschliessend dort verbleibt. Dazu kommt eine besonders gründliche Händedesinfektion.

Aus dem OP-Bett blicken Kinder auf Tierwelt

Der Verbindungsgang wurde in den 1970er-Jahren in einen geschlossenen Korridor mit Fensterfront umgewandelt. So konnte er beheizt werden und die kleinen Patienten blieben auch auf dem Weg ins Röntgen an der Wärme. Um ihnen diesen angenehmer zu gestalten, bemalte eine Künstlerin die Wand mit detailgetreuen Tierbildern. Dabei achtete sie darauf, dass sich die Tiere möglichst auf Kinderbetthöhe befanden, damit die Kinder sie auch sehen konnten, wenn sie daran vorbeigerollt wurden.